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„Kritik-Angst bei Corporate Blogs halte ich für übertrieben“

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Georg KrügerEin Interview mit Georg Krüger vom Magix Corporate Blog

Karsten Wenzlaff: Wenn ich richtig sehe, gibt es das Magix-Blog seit drei Monaten, oder?

Georg Krüger: Falsch gesehen 😉 Das MAGIX Blog gibt es nun bereits seit 2 Jahren – 11 Monate davon unter meinen „Fittichen“.

Wann hat sich Magix entschieden, ein Corporate Blog zu machen?
Die Entscheidung, einen eigenen Blog zu starten, trafen wir bei MAGIX vor ca. 3 Jahren, zum Beginn des „Corporate Blog Booms“. Anfangs gab es hauptsächlich technische Dinge zu klären, die vorwiegend mit dem Bereich „Sicherheit“ zu tun hatten, da der MAGIX Blog auf einer sehr angepassten Version der Blog-Software Serendipity läuft.

Wie lange war die Vorlaufzeit?
Die Planung, interne Bekanntmachung der Idee, sowie das Finden von ersten freiwilligen Autoren und Content-Quellen liefen parallel zur technischen Umsetzung. Ingesamt würde ich die Vorlaufzeit auf ca. 3 Monate schätzen.

Bist Du eigentlich der Hauptverantwortliche für das Blog?
Ja, ich bin „Hauptverantwortlicher“ wenn man das so ausdrücken kann. Ich kümmere mich um die Vernetzung und bin in den weiten Welten des Internets unter dem Synonym „MAGIXblog“ zu finden.

Ich kümmere mich auch darum, dass es regelmäßig etwas zu lesen gibt. Daher kommen logischerweise die meisten Artikel von mir.

Wer bloggt noch mit?
Es gibt natürlich viele weitere Autoren bei MAGIX. Wir haben Autoren aus der Video- und Audio-Abteilung sowie aus dem Product-Management und den Investor-Relations, die alle fachspezifische Artikel schreiben.

Wir sind da sehr offen, jeder kann schreiben, der will. Wenn jemand etwas auf dem Herzen hat, kann er es über das MAGIX Blog publizieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass es Autoren gibt, die bisher nur einen Artikel verfasst haben.

Wie bist Du zu Magix und zum Corporate Bloggen gekommen?
Bei MAGIX habe ich meine Ausbildung zum Werbekaufmann absolviert. Ich war schon immer sehr internetaffin und an den Entwicklungen des Webs interessiert – besonders was die Aspekte Vernetzung, soziale Phänomene und Marketing betrifft. Deswegen war ich es auch, der den ehemaligen Kollegen, der das Blog ins Leben gerufen hatte, in der Betreuung des Blogs abgelöst habe.

Wie haben sich die Besucherzahlen entwickelt?
Die Besucherzahlen zeigen ein stetiges Wachstum, der Trend ist bis heute immer positiv. Das MAGIX Blog hat mittlerweile durchschnittlich 85 Feedsubscriber (max. 92) bei einer durchschnittlichen Unique-Visitor-Zahl von 350 (max. 1500) pro Tag.

Und welche Artikeln werden häufig kommentiert?
Es gab 2 Geschichten die sehr starke Reaktionen verursacht haben. Nicht nur auf dem MAGIX Blog, sondern allgemein in der Blogosphäre – was ich eigentlich viel wichtiger finde.

Zum einem war das die Namensfindung des StudiVZ Ablegers „MeinVZ“. Ich hatte damals den Namen noch vor der offiziellen Bekanntgabe herausgefunden und veröffentlicht.

Die zweite Geschichte war die „Dr.Stay-Dry Story“, die es sogar bis zu Horizont.net geschafft hat.

Warum gerade diese beiden Artikel?
Artikel, die eine Meinung formulieren, also weniger rein informativ bleiben, regen logischerweise mehr zur Kommunikation anregen. Artikel mit dem Schwerpunkt „Internet“, sei es nun ein Feedback zu einem neuen Online-Dienst oder ein rein reflektorischer Bericht über das Bloggen an sich, mehr Kommentare provozieren.

Das liegt aber allein an der Zielgruppe, die natürlich eher kommentiert, als jemand der sich ein, über Google gefundenes, How-To ,wie z.B. „Gesangsaufnahmen selber machen“ im Blog durchliest.

Auch Themen, die generell im Trend liegen, werden häufiger kommentiert. Trends sind omnipräsent und regen die Leser natürlich zu Meinungsbildung an. Das ist im Real Life, wie man so schön sagt, nicht anders. Der Artikel-Leser muss sich also nicht noch erst eine Meinung bilden, sonders hat dies bereits vorher getan. Die Hemmschwelle zum Kommentieren liegt dann niedriger.

Kriegt Ihr auch Beschwerden oder negatives Feedback durch das Blog und wie geht ihr damit um?
Ich muss ehrlich sagen, dass wir bisher noch kein negatives Feedback oder Beschwerden bekommen haben. Bis auf ein oder zwei anonyme und unqualifizierte Kommentare, die wir einfach mit einem Lächeln hingenommen haben, gab es noch nichts zu hören. Das liegt aber auch einfach daran, dass der Blog keine sonderlich große Angriffsfläche darstellt.

Kritische Kommentare in Artikeln gehören einfach zum Bloggen. Wer damit nicht umgehen kann, braucht erst gar nicht anfangen.

Lustigerweise ist das immer die größte Angst, die den Unternehmen vor der Eröffnung eines Corporate Blogs gemacht wird. Diese Kritik-Angst halte ich für übertrieben. Ich will nicht wissen, wie viele Unternehmen sich wegen dieser „Unberechenbarkeit“ gegen einen eigenen Blog entschieden haben.

Wie wird es von den Besuchern angenommen, dass ihr auch über Politik und Sport bloggt?
Eigentlich durchweg positiv. Das Blog ist nun mal eher unkonventionell. Unser Ziel war es nicht PR-Gewäsch zu verbreiten oder eine Kommunikations-Strategie zu verfolgen. Blogs sind etwas Persönliches und Freies. Das MAGIX Blog ist universell und dient nicht einer bestimmten Sache. Er ist Webtagebuch, Ort an dem die MAGIX-Mitarbeiter ihr Fachwissen vermitteln können, sowie die Möglichkeit zur offenen Kommunikation.

Ich weiß natürlich auch, dass themenspezifischere Blogs auf Dauer mehr Leser anziehen, aber mehr als 300 Mitarbeiter sind halt nicht auf ein Thema festzulegen, sondern haben sehr individuell e Themen. Unsere gemeinsame Verbindung ist MAGIX.

Für MAGIX ist viel wichtiger als die Leserzahlen und Feed-Abonnenten, dass man durch die tägliche Blog-Arbeit immer up-to-date bleibt. Bloggen bedeutet, sich mit ständig mit aktuellen Geschehnissen auseinanderzusetzen, frühzeitig über Trends zu erfahren bzw. selbst mitgestalten zu können. Das ist viel wichtiger! Selbst-Bloggen bringt Know-How aus unterschiedlichsten Themen-Welten. Ist man stetig aktiv, kommen die Leser von ganz alleine.

Welche Blogs in Deinem Feedreader halten Dich auf dem Laufenden?
Puhh, das sind viele, aber um mal einige zu nennen: Basicthinking, Brainblogger, Die Straßen von Berlin, Werbeblogger, Techcrunch, OffTheRecord, Spreeblick, NonToxin, Flausenkopf, Mashable, Stereopoly und viele mehr!

Wie kam es zu der Kooperation mit Robert und dem FilmCamp? Einfach über seinen Blog-Artikel?
Das FilmCamp ist ne coole Sache. Robert Basic hatte diese Idee einfach mal skizzenhaft in seinem Blog vorgeschlagen. Schon zu diesem Zeitpunkt fand ich die Idee sehr interessant.

Als er dann offiziell nach Räumlichkeiten suchte, war es für mich nur logisch per Kommentar die MAGIX Räumlichkeiten anzubieten, zumal wir unter anderem Anbieter von Videoschnitt-Software sind. Das passt einfach.

Das hat dann auch alles superschnell geklappt, sodass wir die Sache noch am selben Tag festzurren konnten. Das wird sicher ne tolle Sache für MAGIX und alle Beteiligen. Ich freue mich schon darauf.

Ich bedanke mich für das nette Gespräch und wünsche viel Erfolg für das Magix-Blog!


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11 Kommentare

  1. Pingback: MAGIX Blog

  2. Pingback: Schnellschuss-Links am 10.09.2008 | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Schnellschuss-Links am 10.09.2008

  3. Win wirklich informatives Interview. Danke. Aber offensichtlich wurde der Artikel sehr wohl kommentiert, leider alles voll mit Spam …

  4. Danke Stefan, ich war im Urlaub und konnte den Spam nicht filtern. Werde ich jetzt sofort machen 🙂

  5. Sehr schönes Interview, auch wenn ich es aus journalistischer Sicht noch etwas gekürzt hätte. Zum Beispiel die Frage mit dem Hauptverantwortlichen – das kann doch in die Beschreibung oben drüber („Wir sprachen mit dem Hauptverantwortlichen des Magix-Blogs Georg Krüger etc.“). Gut aber die Frage nach der Resonanz, ist doch interessant das zwei (exklusive) Stories so viel Aufmerksamkeit bringen können. Zeigt auch dass ein Corporate Blog mit Exklusivität buhlen muss statt nur die langweiligen Floskeln der PR-Abteilung wiederzugeben. Viele Grüße vom Radiopraktikanten aus Berlin!

  6. Ich finde ebenfalls das Interview sehr interessant geführt und klasse zu papiert gebracht! Des Weiteren finde ich echt extrem Interessant wie schnell eine Idee zu einem solchen Erfolg führen kann! Es war lange einmal im Gespräch, dass man alleine vom Bloggen leben kann, allerdings fehlt einfach sehr vielen Bloggern der Traffic auf den Seiten. Aber bei 1.500 Besuchern pro Tag ist der Traffic mehr als vorhanden! Echt Respekt, weiter so.

  7. „Man kann alleine vom bloggen leben“. Ja, z.Z. evtl. noch. Aber das Internet ist so schnelllebig, ich persönlich denke, dass das nicht mehr allzulange gut geht. Es entwickelt sich so schnell weiter, das man nicht darauf „bauen“ sollte… Natürlich ist es z.Z. Trend und mag auch gut funktionieren, aber die Frage ist doch: Wie lange noch? Genau, so lange noch, bis wieder was neues das Internet erobert. Man sollte also immer „up to date“ sein und kein Trend verpassen.

  8. Prima, welche Firma traut sich schon einen eigenen corporate blog aufzusetzen… Man denke nur die Bahn, Post oder diverse Kredit-Banken würden Blogs mit Kommentarfunktion aufsetzen 😉

  9. Das Thema Kritik-Angst muss auf jeden Fall vor dem Start eines Corporate Blogs abgeklopft werden. Dabei geht es dann aber vor allem darum, wie kritik-fähig das Unternehmen ist und ob es einen produktiven Weg finden kann, mit Anregungen umzugehen.

    Selbst eine Bahn oder andere Unternehmen, die viel Kritik zu erwarten haben, können dennoch stark von einem Blog und der Kritik profitieren. Denn so haben sie eine weitere Möglichkeit, offen zu den Kritikpunkten Stellung zu beziehen.

    Die Kritik ist schließlich immer da. Und sie wird auch immer geäußert. Wenn nicht auf dem Blog, dann anderswo. Aber im Blog hat das Unternehmen die Chance, die Kritik zu nutzen oder zu relativieren.

  10. Ich denke Corporate Blogs sind in der heutigen Zeit sehr wichtig (Kundenbindung etc). Blogs schaffen einfach ein inneres Verhältnis zwischen Kunden und Firmen, Blogs geben auch den Firmen gelegenheit Kritik zu relativieren.

  11. Leben können von Blogs sicher die wenigsten, denke mal vielleicht 2%. Die paar Euro oder Dollars die über Werbung kommen decken bestimmt nur die Providerkosten. Ein Heute richtig guter Blog kann morgen schon wieder out sein. Ich glaube man muss schnell sein und viele interessante Informationen für die Besucher anbieten können.