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Wie ein erfolgreiches Blog-Magazin arbeitet

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Die HuffingtonPost ist eines der weltweit erfolgreichsten politischen Blogs. Es hat die Gründerin Arianna Huffington zu einer bekannten Kolumnistin gemacht. Was sind die Gründe für diesen Erfolg? Ein Analyseversuch:

  • Große Bilderdichte: die Startseite wird dominiert von der Überschrift eines Artikels mit einem dazugehörigen Bild
  • Farblich abgestimmte Kategorien: Politics, Media, Entertainment haben eigene Farbpaletten, sind aber im Layout absolut identisch, daher sehr einfacher Wiedererkennungseffekt
  • Kompaktes Menü: Die obere Menüleiste enthält nur die wichtigsten Kategorien. Direkt im Header sind auch die Sitemap (per Dropdown) und das Suchmaschinenfeld untergebracht.
  • Dezente, aber wirksame Werbung: Die Werbung ist noch über dem Header angebracht und besteht auf der Startseite und dem Kategorienseiten aus einem großen Querbanner plus einen kleineren Banner rechts, das aber durch die hohe Bilderdichte nicht zu stark vom Inhalt ablenkt.

  • Funktionsorientierte Spalten: Die mittlere Spalte zeigt die aktuellsten Artikel an, aber immer nur Überschrift und Bild, fast keine Teasertexte, lediglich eine kurze Einordnung in die Unter-Kategorien und die Anzahl der Kommentare. Die linke Spalte zeigt die aktuellen „Op-Eds“ an, also die letzten Meinungskolumnen, die oft sehr kontroverse Meinungen vertreten. Die rechte Spalte zeigt die meist-diskutierten Artikel an. Der Leser kann sich direkt entscheiden: Links Meinung, Mitte Information, Rechts Diskussion.
  • Personalisierte Kolumnen: Die Meinungsspalte zeigt Autorenname, Autorenbild, Biographie und einen kurzen Teasertext an.
  • Artikel-Seiten: Die Artikel oder die Kommentare nehmen immer zwei der drei Spalten ein, rechts werden lediglich populäre Artikel mit einem kurzen Teaser-Text gefeatured
  • Starke Quer-Verlinkung: Alle Artikel haben einen oder mehrere Verlinkungen zu früheren Artikel oder zu Artikel von Bloggern.
  • Einbindung von Videos: Die Huffpost bindet sehr viele Youtube-Videos und auch viele Videos von CNN, MSNBC, CBS etc ein.
  • Deutliche Zitation: Die Zitate heben sich sehr deutlich ab, manche Artikel bestehen fast komplett aus Zitaten.
  • Weiterlesen: Unter jedem Artikel befinden sich weitere Links zu ähnlichen Themen, die wiederum nur mit Foto und Überschrift angeteasert werden.
  • Kommentieren ermutigen: Kommentieren ist nur per Anmeldung möglich und Kommentare müssen freigeschaltet werden. Noch sind die Kommentarseiten etwas unübersichtlich, aber da die Artikel sehr stark kommentiert werden, ist das wahrscheinlich nicht zu vermeiden.

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5 Kommentare

  1. Gute Analyse, treffend zusammengefasst – und einiges kann man sicher übernehmen!

    Ich bezweifle aber, dass man die US-amerikanischen Lesergewohnheiten 1:1 mit denjenigen in den deutschsprachigen Ländern vergleichen kann. „Huffington Post“ und andere Onlinemedien für die US-amerikanische (Informations-)Elite entsprechen in vielen Details dem, was bei uns eher für Leser mit bildungsfernem sozialem Hintergrund publiziert wird:

    – Zwei oder höchstens drei kurze Sätze entsprechen einem Absatz.
    – Die Bilder sooooo gross, die Sätze ultrakurz.
    – Lieber ein Zitat in Anführungszeichen bis zur Unkenntlichkeit verkürzen, als etwas in fünf Sätzen erklären.
    – Nur „sexy“ Themen schaffen es auf die „Titelseite“.

    Nun kann man sich einerseits deprimierende Gedanken über die US-amerikanische (Informations-)Elite machen, andererseits hoffnungsvoll auf die Leser deutschsprachiger Internet-Magazine schauen.

    Meine Erfahrung geht in diesen vier Punkten nämlich in die entgegengesetzte Richtung. Zwar schätzen die deutschsprachigen Leser (m)eines Internet-Magazins den konsequent eingesetzten Magazine-Style sehr: Kompaktes Menü, funktionsorientierte Spalte, starke Querverlinkung und Einbindung von Videos.

    Die deutschsprachigen Leser schätzen es aber auch, wenn über ein vermeintlich dröges Thema wie „Die orthodoxen Kirchen feiern den 1020. Jahrestag“ ausführlich und mit interessanten politischen Details berichtet wird.

    Klare Titel und Zwischentitel, verständliche und (!) korrekte Sprache, die Einbindung von Videos, die Verlinkung zu weiterführenden externen Quellen sowie die Querverlinkung zu ähnlichen Beiträgen sind dabei selbstverständlich.

    Viele Zitate in Anführungs- und Schlusszeichen sind dagegen „Rausschmeisser“, was übrigens auch schon viele Print-Verlage gemerkt haben.

    Fazit:

    Ich mache mit dem Magazin-Style seit einem halben Jahr nur gute Erfahrungen, wobei ich das Layout ständig optimiere, zum Beispiel schmeisse ich demnächst die Blogroll raus. Die Erfahrungen anderer „Magaziner“ würde mich deshalb sehr interessieren!

    Jürg

  2. Jürg, erstmal danke fürs ausführliche Feedback. Karl-Heinz und ich werden in den nächsten Wochen noch öfter über unsere Erfahrungen mit Magazin-Blogs bloggen, weil wir ein paar Ideen dazu neulich entwickelt haben.

    Ich bin erst seit einem guten Jahr Fan der Huffington Post, vorher immer direkt bei New York Times und Washington Post informiert, aber was ich schön finde an der HuffPo sind gerade diese riesigen Bildern und die knackigen Überschriften. Müsste man mal ausprobieren, ob so etwas für die deutsche Politikblogosphäre machbar wäre.

  3. Ich bin schon gespannt auf Eure Ideen zu einem Blog-Magazin – was ja eindeutig mehr umfasst, als nur den Magazine-Style, nämlich die Zusammenarbeit einer Gruppe von (unabhängig bleibenden?) Bloggern in einem neuen gemeinsamen Magazin.

    Die von mir grundsätzlich geschätzte „Huffington Post“ kann dafür ein Vorbild sein, muss aber nicht. Schon gar nicht (alle Beispiele von heute!) bei den teilweise wirklich vermurksten Titeln …

    „Cookalong Live“ With Gordon Ramsay… The Cure For TV?… Wendy Williams… Vivi Nevo

    … bei der Themenwahl …

    Where’s The Party At? Princeton Review Lists Nation’s Top Party Schools

    Carla Bruni: French First Lady Opens Up On What She Thinks Of French People, And (Hopefully) Making First Babies

    Keira Knightley Refuses Bigger Breasts For New Film

    … und bei dem von mir schon erwähnten oft zu grossen und zu „schreienden“ Fotos respektive Infografiken.

    In anderen Dingen könnte ein deutschsprachiges Blog-Magazin (und generell die deutschsprachige Blogosphäre) von „HuffPost“ dagegen nur lernen. Insbesondere was die Zusammenarbeit mit den Mainstream-Medien einerseits und den Bloggern andererseits sowie die gemeinsame Vermarktung angeht.

    Wobei ich nach meinen Erfahrungen einem solchen Projekt eher skeptisch gegenüberstehe. In der deutschsprachigen Blogosphäre ist nur schon der unkeusche Gedanke an die verteufelte Martktwirtschaft und die mit Schwefelgeruch behafteten Mainstream-Medien ein Grund zur Exkommunikation und jeder, der den Kopf einen Augenblick zu lange aus dem Fenster herausstreckt, wird augenblicklich um diesen gekürzt.

    Wenn die Leser meines Internet-Magazins (sprich: Blog-Magazin eines ehrenamtlichen „Redakteurs“ und Autors mit einigen Gast-Autoren) ausschliesslich Blogger wären, hätte ich nur 20 Unique Visitors pro Tag. Zum Glück sind weit mehr als 95 Prozent der Krusenstern-Leser keine Blogger. Die meisten wissen wahrscheinlich nicht einmal, dass sie ein (WordPress-)Weblog lesen, weshalb ich seit einem halben Jahr auch nur noch von (m)einem Internet-Magazin spreche. Aber das wäre dann wieder ein anderes Thema…

    Jürg

  4. Pingback: Magazin Themes: Vom Blog zum Internet-Magazin (1)

  5. Hallo,
    vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Wir bauen auch gerade ein kleines Webmagazin auf und werden versuchen, den ein oder anderen Tipp in den nächsten Wochen zu realisieren. Gerade den Punkt mit den personalisierten Kolumnen und die Querverlinkungen finde ich sehr interessant und durchaus nützlich. Artikel ist gebookmarkt. 😉

    Viele Grüße,
    Silvia