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Blogmarketing: Mediadaten von Blogs im Vergleich mit deutschen Regionalzeitungen

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Besucher Basicthinking vs. Rhein-Main-NetWer in Deutschland Online-Werbung verkaufen will, weist seine Mediadaten in der Regel öffentlich aus. Die „Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung“ (AGOF) ermittelt sogenannte Netto-Reichweiten von derzeit 442 großen deutschen Websites. Wer diese Reichweite allerdings in Anzeigenverkäufe ummünzen will, nimmt fast ausnahmslos an der IVW-Zählung teil. Die „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.“ wies im Mai 2008 fast 32 Milliarden Page-Impressions bei 2,54 Milliarden Visits auf den Websites von 700 Online-Angeboten aus. So weit, so gut.

Blogmarketing
Blogs treiben den IVW- und AGOF-Aufwand zur Erhebung ihrer Mediadaten bisher kaum, und so sind sie allein auf Google-Adsense-Einnahmen, Selbstvermarktung von Anzeigenplätzen oder die wenigen Experimente zur Blogvermarktung angewiesen, die in Deutschland fortwährend entstehen und wieder vergehen. Vom großen Werbekuchen bekommen sie nichts ab. Zu Unrecht? Ich beginne jeden WordPress Kurs und jedes Seminar über Blogmarketing mit folgender These:

Besucherzahlen prominenter Blogs sind mit Online-Mediadaten deutscher Regionalzeitungen vergleichbar!

Seit kurzem lässt sich dieser Vergleich recht anschaulich mit Google Trends darstellen.

Besucher Basicthinking vs. Rhein-Main-Net
Grafik: Google Trends

Basicthinking vs. Rhein-Main.Net
Robert Basic und sein Blog brauche ich hier niemandem vorzustellen. Robert hat laut Google Trends täglich zwischen 7.000 und 10.000 Unique Visitors auf seinem Blog. Eine Regionalzeitung in seinem Wohnort Usingen im Hochtaunuskreis ist die Frankfurter Neue Presse, deren Online-Ableger Rhein-Main.Net laut Google Trends zwischen 9.000 und 14.000 Daily Unique Visitors hat. Kein großer Unterschied, oder?

Laut AGOF weist Rhein-Main.Net eine Netto-Reichweite von 170.000 „Unique Usern“ im Monat auf, also 170.000 echte Personen, die mindestens einmal im Monat auf Rhein-Main.Net etwas angeklickt haben. Robert, wie ist deine gefühlte Reichweite? Die IVW-Daten für Rhein-Main.Net (Mai 2008): 523.065 Visits (passt: ein „Daily Unique Visitor“ nach Google Trends macht u.U. mehrere Visits bei IVW am Tag) und 4.193.047 Page Impressions.

Ein Verhältnis Visits zu PIs von 1:8 ist übrigens sehr charakteristisch für Online-Ableger von Printmedien. Es wird oft durch Teilung von Texten, Gewinnspiele, Ticker, Bildergalerien und Einbindung von E-Commerce-Angeboten erreicht. Reine Online-Portale missbrauchen den Besucher noch häufiger als „Klick-Vieh“.

Besucher Spreeblick vs. Taz
Grafik: Google Trends

Berlin: Spreeblick vs. TAZ
In der Großstadt fällt der Vergleich deutlicher zugunsten der alten Medien aus. Spreeblick hat laut Google Trends zwischen 3.000 und 6.000 Daily Unique Visitors, für die TAZ werden zwischen 30.000 und 50.000 Besucher am Tag angezeigt. Reichweitenangaben der AGOF gibt es für die TAZ nicht, IVW nennt 1.574.483 Visits und 5.734.523 Page-Impressions im Monat.

Besucher Werbeblogger vs. Main-Post
Grafik: Google Trends

Würzburg: Werbeblogger vs. Main-Post
In Würzburg hat der Werbeblogger mit 2.500 bis 6.000 Daily Unique Visitors gegenüber der Main-Post mit 9.000 bis 23.000 Besuchern am Tag das Nachsehen. IVW nennt im Mai 2008 für mainpost.de 752.980 Visits mit 11.256.585 PIs im Monat – eine Klickmaschine aus dem Hause Holtzbrinck.

Besucher Ehrensenf vs. Express
Grafik: Google Trends

Köln: Ehrensenf vs. Express
Zum Schluss auf den Kölner Boulevard. Ehrensenf mit 10.000 bis 20.000 täglichen Besuchern hat als prominentes Blog aus der Domstadt mehr Besucher als viele andere deutsche Blogs. Die Lokalpresse zieht allerdings täglich das vierfache an Onlinern an: rund 80.000 Daily Unique Visitors bei Google Trends. Express-Online bringt es laut AGOF auf eine Reichweite von monatlich 400.000 Besuchern, die laut IVW auf 4.574.164 Besuche mit 31.168.734 PIs kommen.

Vergleich Basicthinking Regionalpresse
Grafik: Google Trends

Viele Regionalzeitungen mit weniger Besuchern als Top-Blogs
In Großstädten haben es Blogs also schwer, die Besucherzahlen der Lokalpresse zu toppen. Auf dem Lande sind die Abstände zwischen „großen“ Blogs und „kleinen“ Zeitungen durchaus überschaubar.

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Regionalzeitungen, deren Onlineangebote nicht an die Besucherzahlen der Spitzenblogs herankommen. Ich musste nicht lang suchen, um für die Grafik die Aachener Nachrichten, die Eßlinger Zeitung, die Märkische Oderzeitung und die Neue Presse Coburg zu finden. Jede dieser ehrenwerten Gazetten hat online weniger Leser, als ein einzelner Blogger aus Usingen – wenn auch Deutschlands Bester.

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7 Kommentare

  1. Die TAZ ist eher eine überregionale Tageszeitung. Ich lese ab und zu die TAZ online, aber eher selten das Spreeblick-Blog, dann schon eher das Hauptstadtblog. Hast Du auch einen Vergleich zwischen Online-Portal vom Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Hauptstadtblog und Spreeblick?

  2. Das mit der TAZ ist mir natürlich klar, aber auch Spreeblick hat Leser außerhalb Berlins 😉

    Tagesspiegel, BerlinOnline (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) und Berliner Morgenpost spielen in einer anderen Liga, zwischen 70.000 (TS), 50.000 (BO) und 40.000 (BM) Unique Visitors. Zusammen mit Spreeblick sieht die Grafik dann so aus..

    Das Hauptstadtblog liegt mit 1.800 Unique Visitors im Tagesdurchschnitt knapp unterhalb der Marke, die Google Trends noch darstellt. Gleiches gilt übrigens für sehr viele Lokalzeitungen in Deutschland.

  3. wirklich interessant. danke für die mühe. was die sache spannend macht ist der zeitfaktor. wie sieht das ganze in 1, 5 10 jahren aus. ich denke, wenn die verlage vernünftige konzepte fürs web verfolgen, können zumindest die grossen „zeitungen“ den abstand vielleicht halten. aber gerade für die regionalen blätter ist diese analyse ein absolutes alarmsignal. von der diskussion um google local mal ganz abgesehen.

  4. Zu 3: Es wird im ersten Schritt Alternativen zu den klassischen Meinungsmonopolen geben. Im zweiten Schritt wird es konkurrierende Werbeflächen bei den Blogs geben, die um Anzeigenkunden aus der regionalen Wirtschaft buhlen.

    Das wird auch funktionieren, denn Werbung ist immer dort, wo Menschen sind. Wenn die Menschen also Blogs lesen…Dann gibt es neben mehr Meinungsvielfalt vor allem vielen schöne neue Werbeflächen, die über den Preis gegen die gedruckten Zeitung lässig konkurrieren können.

    Ein wenig beunruhigend empfinde ich, dass Google Adsense auf dem bestem Wege ist, ein Monopol für die Vermarktung der schönen vielen Werbeflächen aufzubauen. Überall Google, Google, Google…

  5. Ohne den Trackback zu SEO Scene wäre ich vermutlich immer noch nicht auf dieses Blog aufmerksam geworden. Und dann finde ich hier nicht nur Spannendes wie die Serie „Blog zum Internet-Magazin“ sondern auch dieses Posting hier. Den Satz „Besucherzahlen prominenter Blogs sind mit Online-Mediadaten deutscher Regionalzeitungen vergleichbar!“ werde ich mir jedenfalls merken – auch wenn die Reichweite von Bloggern wie Robert derzeit noch die Spitze des Eisbergs ausmacht und keinesfalls verallgemeinert werden kann. Dem Blog-Trainer ist nun jedenfalls ein Platz im meinem Feedreader sicher 🙂

  6. Pingback: RICHTIG BLOGGEN » Blog Archive » BLOG VERZEICHNISSE

  7. Diese Entwicklung wird wohl in den kommenden Jahren noch stärker voranschreiten. Schon heute klagen die Printmedien über rückläufige Auflagenzahlen. Dagegen verzeichnen relativ neue Blogs oft schon nach kurzer Zeit erstaunliche Besucherzahlen. Dies alles deutet auf eine Trendwende im Konsumerverhalten hin und macht neugierig auf die nähere Zukunft. Werden die Zeitungen eines Tages vielleicht ganz verschwinden und der elektronischen Informationsübermittlung Platz machen müssen ?