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Wie die Analysten von Gartner das Web 2.0 „entdecken“

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gartnerIn Stamford, Connecticut, drehen sich die Uhren langsamer als anderen Ortes. Aber sie drehen sich immerhin. Dort sitzt eines der größten und konservativsten IT-Beratungsunternehmen der Welt, die Gartner Inc. 1.200 Analysten sind in 75 Ländern für Gartner tätig und nehmen Einfluss auf strategische Entscheidungen in den IT-Bereichen der größten Unternehmen der Welt.

Weshalb schreibe ich das hier? Noch im Oktober 2007 galten die Gartners als ausgesprochene Web 2.0-Skeptiker. Joseph Feiman, Vice President, wurde vom CIO-Magazin unter dem Titel „Web 2.0: Ohne neuen IT-Security-Ansatz wird es gefährlich“ zitiert: „Das lässt sich einfach nicht kontrollieren.“ In dem CIO-Artikel hieß es: „Insbesondere die Problematik des Schutzes geistigen Eigentums wiege bei Web 2.0 schwer. Selbst digitale Kalender könnten sich als Informations-Lecks erweisen. Und quasi jeder Inhalt – von der Presse-Info über Preislisten bis zu Videos – könnte per Web 2.0-Anwendungen verändert und weiterversendet werden. Unternehmen müssten ganz genau überlegen, welche Inhalte sie publik machen und welche nicht.“ Soweit im Oktober vergangenen Jahres.

Erstaunt lese ich heute auf IT-Times den Beitrag „Mitarbeiter vom globalen Web 2.0-Ökosystem auszuschließen könnte Kreativität und Innovation unterdrücken“. Dort zitiert man den selben Josef Feiman:

„Statt die Nutzung von Web 2.0-Technologien zu stoppen, sollten IT Konzerne für sichere Mittel und Wege sorgen, diese Anwendungen zu entwickeln und einzusetzen. Die Entwicklung hin zu Web 2.0 und andere verwandte Trends, wie die verstärkte Nutzung von Open-Source Software und die weitere Verbreitung von service-orientierten Architekturen, werden einen großen Einfluss auf die IT-Sicherheit haben.“

Alles in allem stimmt mich das optimistisch, zeigt es doch, dass in den USA inzwischen selbst die konservativsten Unternehmen verstehen, wie das Web heute tickt. In Europa, besonders in Deutschland, sind wir immer noch drei bis fünf Jahre hinter der Entwicklung.

Bei Gartner gibt es übrigens sieben offizielle Corporate Blogs, die aber zugegeben vor sich hindümpeln. Darunter auch ein interessantes Media-Blog mit dem Claim „Moving from the Physical Present to the Virtual Future“, der von den Vice Presidents Michael McGuire, Allen Weiner und Andrew Frank sporadisch gefüllt wird.

Wie die Analysten von Gartner das Web 2.0
Wie die Analysten von Gartner das Web 2.0
Wie die Analysten von Gartner das Web 2.0
Wie die Analysten von Gartner das Web 2.0
Wie die Analysten von Gartner das Web 2.0

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3 Kommentare

  1. Gartner gilt eigentlich als Unternehmen, das dem Thema Web 2.0 und seinem Einsatz in Unternehmen eher positiv gegenübersteht und es sogar mit auf die Agenda gesetzt hat.

    Die Eingabe der Begriffe Gartner und Web 2.0 in Google fördert genügend Belege zu Tage, von denen etliche sogar aus dem Jahr 2006 stammen. Ich denke, die stark auf Sicherheit bedachten Äußerungen von Joseph Feiman verzerren da ein bischen das Bild.

  2. @Werner Trotter: Vielen Dank für diesen Kommentar. Ich wollte Gartner kein Unrecht tun, und halte sie durchaus für Profis. Mir ist auch klar, dass ich hier zwei Statements eines einzelnen Topmanagers gegenübergestellt habe. Dennoch finde ich auch den schnellen Sinneswandels eines IT Security-Analysten bemerkenswert genug, um ihn hier zu dokumentieren. Und die Story hat schließlich ein Happy End!

    Viele Grüße
    Karl-Heinz Wenzlaff

  3. Herr Wenzlaff, die zwei gegenüber gestellten Aussagen von J. Feiman klingen in der Tat widersprüchlich. Mir geht es eher darum, das Gesamtbild etwas gerade zu rücken, Gartner wäre ein konservatives Unternehmen, das 2007 noch skeptisch war und jetzt mit Verspätung das Web 2.0 entdeckt. Wie gesagt, promotet Gartner das Thema Web 2.0 in Unternehmen bereits seit mindestens 2006, richtet als Beratungsunternehmen seinen Blick aber auch auf Aspekte wie Sicherheit, Governance, etc.

    Mit den besten Grüßen
    Werner Trotter