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„Dem Corporate Blog wird eher geglaubt als einer klassischen Unternehmens-Website“

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Sind Corporate Blogs glaubwürdiger als andere Corporate Websites? Dieser Frage ist Daniel Pfeiffer, Student an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximillians-Universität, im Rahmen seiner Masterarbeit

„Die Glaubwürdigkeit der Unternehmenskommunikation im Social Web am Beispiel der Corporate Blogs“

nachgegangen. Er hatte dazu vor einigen Wochen eine Online-Umfrage gestartet, an der sich mehr als 350 aktive Blog-Nutzer beteiligten.

Daniel Pfeiffer hat jetzt den Teilnehmern der Umfrage erste Ergebnisse der Studie zur Verfügung gestellt. In seinem Fazit schreibt er:

Ein Corporate Blog wird eher als glaubwürdig wahrgenommen, wenn der Nutzer weiß welche Personen sich dahinter verbergen und diese für den Nutzer auch erreichbar sind. So zeigen sich persönliche Erfahrungen sowohl mit dem Autor, als auch mit dem Unternehmen, als starke Treiber der Glaubwürdigkeit. Umso persönlicher die Erfahrungen des Nutzers mit einem Unternehmen oder den Blog-Autoren ist, umso eher wird er einen entsprechenden Corporate Blog als glaubwürdig einschätzen. Auch die Kritikfähigkeit und Fairness von Unternehmen haben sich in diesem Sinne als besonders gewichtige Faktoren herausgestellt. Die Blog-Nutzer erwarten von Unternehmen, welche den Weg des Online-Dialoges eingeschlagen haben auch Antworten auf deren Kritik. Geht das Unternehmen in seinem Blog nicht auf kritische Kommentare ein, wird die Glaubwürdigkeit des Blogs stark belastet. Des Weiteren zeigt sich die Aktualität eines Unternehmens-Blogs als bedeutender Glaubwürdigkeitstreiber. Besonders das regelmäßige Erscheinen neuer Beiträge vermittelt den Nutzern Glaubwürdigkeit.

Dies deckt sich sehr stark mit meinen eigenen Erfahrungen, die ich in Kundenprojekten gesammelt habe. Daniel Pfeiffer vergleicht im folgenden die Glaubwürdigkeit von Corporate Blogs nicht nur mit gewöhnlichen Corporate Websites, sondern auch mit klassischen Medien. Sein Ergebnis:

Hierbei wird deutlich, dass den klassischen Massenmedien in Bezug auf Unternehmens-Nachrichten, tendenziell eher geglaubt wird als einem Corporate Blog. Dem Corporate Blog wird allerdings eher geglaubt als einer klassischen Unternehmens-Website.

Erstere Erkenntnis geht sicher vom Bild des penibel recherchierenden Wirtschaftsjournalisten eines seriösen Mediums im Vergleich zum selbstreferenziellen und selbstbeschönigenden Inhalt einer Unternehmenswebsite aus. Dass die Studienteilnehmer Corporate Blogs eine höhere Glaubwürdigkeit bescheinigen als herkömmlichen Corporate Websites, ist meines Erachtens das wichtigste Ergebnis der Studie.

12 Tipps für ein glaubwürdiges Corporate Blog
Daniel Pfeiffer hat im Fazit seiner Arbeit zwölf Tipps für Corporate Blogger zusammengestellt, die ich hier mit seiner Erlaubnis gern zitiere:

  1. Aktualisieren Sie den Blog regelmäßig.
  2. Gehen Sie auf aktuelle Themen Ihrer Branche ein.
  3. Schaffen Sie Quellentransparenz. Geben sie Informationsquellen an und verweisen Sie ggf. auf externe Quellen.
  4. Geben Sie die Namen der Blog-Autoren an.
  5. Schaffen Sie unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten für die Blog-Nutzer.
  6. Geben Sie Feedback auf Kommentare und gehen Sie besonders auf kritische Kommentare ein.
  7. Nehmen Sie im Blog Stellung zu Kritik in anderen Medien.
  8. Achten Sie auf eine einfache und nachvollziehbare Menüstruktur.
  9. Personalisieren Sie die Blogbeiträge.
  10. Lassen Sie überwiegend Mitarbeiter niedrigerer Hierarchiestufen schreiben.
  11. Lassen Sie anerkannte Experten schreiben, eventuell auch als Gast-Autor.
  12. Politische Themen und Beiträge über die Geschäftstätigkeit sollten vermieden werden.

Nun, Punkt 8 ist klar und gilt imo für jede Website, für Punkt 10 würde mich die genaue Begründung interessieren. Die restlichen 10 Punkte würde ich aber sofort unterschreiben – womit die Diskussion eröffnet sei.


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4 Kommentare

  1. Punkt 10 wäre für mich auch ein Kritikpunkt. Mitarbeiter der niedrigen Hierarchiestufen kamen ja eh gut per Mail/Telefon erreichen. Jemanden aus der Unternehmensführung zu bekommen ist meist schwerer.

  2. Andererseits könnte man argumentieren, dass Mitarbeiter in niedrigeren Hierarchieebenen glaubwürdiger erscheinen als die Unternehmensführung.

  3. Ob Unternehmenswebseite oder Blog… für die Glaubwürdigkeit ist es prinzipiell wichtig, dass ein sichtbarer Personalisierungsfaktor vorhanden ist: Gesichter machen Unternehmen menschlich und schaffen Vertrauen (alte Weisheit). Der erfolgversprechende Unterschied zwischen Blog und Unternehmenswebseite: Der Blog User sollte mindestens die mittlere Managementebene bzw. den Blogverantwortlichen adressieren und erreichen können, wenn er z.B. kommentiert. Ansonsten kann man sich auch an einer Studie der Stanford Uni orientieren, die die ’10 Richtlinien zur Glaubwürdigkeit einer Webseite‘ darlegen… http://tinyurl.com/3m3sgt

  4. Hallo Herr Wenzlaff,

    habe das gleiche Thema auch mal gepostet :-))

    Es hängt sehr wesentlich auch vom Rückhalt „in der Mannschaft“ ab,
    ob ein Blog ein Erfolgsmodell wird.

    Gruss aus Gütersloh,
    JW