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„Du“ oder „Sie“ im Corporate Blog?

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Blogs – auch Corporate Blogs – sind zuallererst Gespräche. Genau genommen: Digitale Kundengespräche. Zu einem Gespräch gehört, dass man seinen Gesprächspartner anspricht. Doch wie? Mit der jovialen zweiten Person Du oder Ihr? Oder besser in der Höflichkeitsform der dritten Person Sie?

Unter Bloggern ist das Du allgegenwärtig. Die Verwendung der 2. Person senkt offenbar schnell Kommunikationsschwellen und schafft eine gewisse Vertrautheit zwischen Blogautor und (Stamm-)Kommentatoren. Doch passt dieser Mangel an Distanz auch bei Corporate Blogs oder Businessblogs? Hängt die Verwendung der richtigen Ansprache vom Umgangston ab, der in der Zielgruppe des Unternehmens üblich ist?

Vom Sie zum Dusie und zurück
Eine kleine Umschau durch deutsche Corporate Blogs ergibt, dass zwar viele in ihren „Mission-Statements“ und auf „About“-Seiten das förmliche Sie benutzen, beim täglichen Bloggen aber eher um die direkte Leseransprache herumformulieren. Das zieht sich durch alle Branchen und durch viele namhafte Corporate Blogs, vom Berlin Plaza Hotel Blog über das Daimler-Blog bis zum Saftblog (dort: „Oder wir diskutieren ein bißchen?“).

Es gibt natürlich Ausnahmen: Beim deutschen Startup des Jahres 2007 mymuesli.com werden die Blogleser konsequent geduzt. Am Alter der Zielgruppe wird es kaum liegen, denn das Produkt ist bei Teens ebenso beliebt wie im Seniorenstift.

Ich möchte diese Frage gern an meine Leser weitergeben:

(Die Abstimmung „Welche Anrede passt in Corporate Blogs und Business Blogs?“ an dieser Stelle endete mit 22 Stimmen für „Sie“ und 20 Stimmen für „Du/Ihr“)


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14 Kommentare

  1. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, die Leser zu unterscheiden.

    Wir/ich siezen daher auf unserer Unternehmensseite unsere Leser, jedoch im Blog verwenden wir eine direkte Anrede und das „Du“.

    Ich denke damit werden die meist auch unterschiedlichen Leser in beiden Fällen, so angesprochen wie es für sie und für uns passt.

  2. @Ute: Danke für Deinen Kommentar!

    Deine Lösung klingt plausibel, wenn man auf der „Corporate Website“ andere Leser vermutet als auf dem „Corporate Blog“. Die Schwierigkeit liegt oft darin, dass man das schwer einschätzen kann.

    Gerade auf einem Blog landen schon nach kurzer Zeit rund zwei Drittel der Leser über Suchmaschinen. Diese haben zwar nach den auf dem Blog verwendeten Keywords gesucht, wissen aber häufig gar nicht, dass sie auf einem Blog gelandet sind. Besteht nicht die Gefahr, dass man diese potenziellen Kunden abschreckt, wenn man sie unverhofft duzt?

  3. Für mich richtet sich ein Corporate Blog nicht an andere Blogger, jedenfalls nicht vorrangig. Also bei mir gibt’s „Sie“, allerdings gebe ich zu, dass ich es so weit wie möglich vermeide, überhaupt eine Anrede zu benutzen. Wenn ich das tue, möchte ich damit auch noch einmal die Adressaten betonen – hallo potenzieller Kunde! 🙂 Den duze ich ja auch nicht, außer ich kenne ihn persönlich. Ich finde aber auch ein „Du“ angebracht, wenn es zur Zielgruppe passt.

  4. Ich halte das wie im richtigen Leben, auch wenn es unter Bloggern etwas anders läuft: Grundsätzlich werden alle erst einmal alle Kommentatoren mit „Sie“ angeredet. Egal, ob es Blogger sind oder andere Interessengruppen. Das hat meines Erachtens etwas mit Höflichkeit und Respekt zu tun.
    Wenn ich jedoch mit „Du“ angesprochen werde, habe ich auch nichts dagegen, nehme mir dann aber die Freiheit ebenfalls zurück zu duzen.

  5. Bei Corporate Blogs finde ich das Sie angemessen und die einzige richtige form der Ansprache. Anders sieht die Sache aus wenn ich ein Blog betreibe wo vorwiegend Blogger angesprochen werden. Hier kann ein „Sie“ oft die falsche Ansprache sein. Aber wie gesagt es gibt bei Blog keine allgemeine „Bauvorschriften“ und daher kann jeder sein Blog gestalten wie es ihm gefällt….

  6. Danke an alle für die Kommentare! (Habe mich gerade erfolgreich um die persönliche Anrede gedrückt). Der Trends scheint dahin zu gehen, dass Vertrauen schneller aufgebaut wird, wenn Corporate Blogger entgegen anderer Bloggergewohnheit ihre Leser / potenziellen Kunden zunächst siezen. Das ist auch meine Erfahrung aus Gesprächen mit Corporate Bloggern und aus dem eigenen Geschäft.

    Ist es aber legitim, auf „duzende“ Kommentatoren mit „Du“ zu antworten? Dass der Kommentator vermutlich nichts anderes erwartet, liegt auf der Hand. Aber wie empfinden es die nur mitlesenden Beobachter? Despektierlich?

  7. Nach einer „Beschwerde“ aufgrund des Du im Blogbeitrag sind wir auf das förmlichere Sie umgestiegen. Zumal unser Blog Businesszwecken dient. Ich persönlich finde es angenehm mich mit anderen Bloggern zu Duzen (trotz reiferem Lebensalter). Mit den potentiellen Kunden auf unserer Seite möchte ich das gar nicht.

    Wenn jemand im Kommentar duzt, dann tue ich das ebenfalls – es kommentieren ja auch Menschen, die ich kenne und einvernehmlich duze – das können die Leser nicht wissen, ich denke jedoch, dass es in Betracht gezogen wird.

  8. @Andrea: Danke für den Kommentar! Darf ich (als Älterer und Blogger) Ihnen jetzt förmlich das „Du“ anbieten 😉 ?

    Es scheint sich hier in der Diskussion herauszukristallieren, dass das förmliche Sie in Blogpostings auf Business Blogs durchaus angebracht sein kann. Duzt ein Kommentator, so duzt man jedenfalls zurück.

    Mich wundert, dass das obige Votum immer noch unentschieden 12:12 steht. Gibt es hier jemanden , der das Duzen auf Corporate Blogs für die bessere Anrede hält? Und warum?

  9. @Karl-Heinz: Aber gerne!
    Gruß Andrea

  10. Also wir duzen unsere Leser auf dem Blog. In der Hinsicht halten wir es wie mymuesli.com. Aber wir duzen auch in unserer Community und in den Anelitungen grundsätzlich erst einmal jeden Besucher. Das ist es eher so, dass wir siezen, wenn wir gesiezt werden, zum Beispiel in Anfragen, um Forum oder so. Bisher ging das Prinzip sehr gut auf.

  11. @Friederike: Wie alt sind eure Blogleser typischerweise? Beim Thema „Verein“ vermutet man ja eher ein sehr breites Spektrum. „Typische“ Vereinsmitglieder neigen womöglich ohnehin zu schneller Verbrüderung, die sich dann auch in den Umgangsformen niederschlägt, oder? Spannendes Thema…

  12. Also, ich meine die jüngsten sind 16 und die Ältesten um die 60 Jahre alt. Also wirklich ein sehr breites Spektrum. Wie gesagt, bisher gibt es da keine Beschwerden, aber Du hast recht, im Vereinsleben duzt man sich sicher schneller. Das war auch einer der Gründe, weswegen wir uns für das Du entschieden haben. Würde viel diskutiert hier im Büro, deswegen finde ich Deinen Beitrag und die Kommentare sehr spannend!
    Auch in unserem Forum neigen die User zum Beispiel dazu sich von vornherein zu duzen….

  13. Pingback: Du oder Sie? bei Nestoria Deutschland Blog

  14. Ich denke, Vorname + Sie ist ideal. Ist genau der richtige Mix aus Distanzierung und Intimsphäre. Habe schon öfters die Erfahrung gemacht, dass diese Anspracheform auf breite Zustimmung und Akzeptanz führt, allerdingt sollte man auch beachten, dass das keine Generalempfehlung ist.

    Die Anrede ist natürlich auch themen- und zielgruppenabhängig. Aber als Schnittmuster aller Anreden und grobe Richtlinie denke ich schon, dass man das Sie + Vorname akzeptieren kann.