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Jan Metzger (ZDF) nennt Blogs „irrelevantes Geplapper“

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Metzger (ZDF) Trippe (DW) Fischer (DW) Brendel (Küchenradio) Timm (DF)
Auf dem Podium (v.l.) Jan Metzger (heute journal), Dr. Christian Trippe (Deutsche Welle Brüssel), Evelyn Fischer (Deutsche Welle Berlin), Gerd Brendel (Küchenradio Berlin), Dietmar Timm (Deutschlandfunk Köln).

Am Dienstag hatte ich Gelegenheit, zum zweiten Mal innerhalb einer Woche das Theaterstück „Die relevanten Journalisten und die irrelevanten Blogger“ anzusehen. Nach der Podiumsdiskussion am Donnerstag beim Verband Deutscher Journalisten verfolgte ich in Berlin eine Podiumsdiskussion, die unter dem Titel „Podcast, Videocast & Co. – Innovative Darstellungsformen für den Auslandsrundfunk?“ stand. Das Panel fand im Rahmen einer Konferenz „Neue Öffentlichkeit? Was Videojournalismus, Bloggen und Co. für Gesellschaft und Auslandsrundfunk bedeuten“ statt, die die Deutsche Welle gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltete.

Zwischen beiden Veranstaltungen kann man durchaus Parallelen ziehen: Die Zuschauer bekamen exemplarisch vorgeführt, welche Geringschätzung die etablierten Gatekeeper der öffentlichen Meinung gegenüber allem haben, was potenziell Ihre Berechtigung und Finanzierung aus öffentlichen Mitteln gefährdet.

Durch einige angekündigte provokante Thesen wollte Jan Metzger, stellvertretender Leiter der ZDF-„heute journal“-Redaktion aus Mainz, die Diskussion mit „den Bloggern“ beleben. Ich habe mir folgende seiner Aussagen notiert:

„Für die klassischen Medien sind Podcast und Videocast lediglich neue Produktionsmittel.“
„Eine Handvoll Interessierter teilt den Inhalt mit einer Handvoll Interessierter.“
„Die neue digitale Öffentlichkeit ist strukturell irrelevant.“
„Vieles ist so schlecht, es sollte eine große Öffentlichkeit am besten garnicht erreichen.“
„Das Web 2.0 leidet an einem Mangel an ökonomischem Wert.“
„Die Fragmentierung der neuen digitalen Öffentlichkeit fördert die Relevanz der klassischen Medien.“
„Menschen neigen dazu, sich den Medien zuzuwenden, die die Unübersichtlichkeit sortieren, also den klassischen Medien.“
„Bürgerjournalismus und Web 2.0 sind überbewertet.“
„Ich hab hier noch auf dem Zettel zu stehen: Alles irrelevantes Geplapper, aber das ist vielleicht zu hart formuliert“
„Die großen Marken werden bleiben, denn große Marken organisieren die Mehrheiten.“

Eine gute Diskussion kam nach diesen Statements nicht zu Stande. Es hatte offenbar niemand so recht Lust, auf diese Töne einzusteigen. Mein Fazit: Hörfunk- und Fernsehverantwortliche der etablierten Anstalten haben noch einen langen Weg vor sich, um wenigstens ansatzweise zu verstehen, was Web 2.0 bedeutet. Es sind eben „Broadcaster“, Sender, aber keine Kommunikatoren. Sie können offenbar nicht anders. Gatekeeping wird zu reinem Asskeeping. Einige Printmedien in Deutschland sind im Vergleich geradezu Experimentierfelder der Moderne.

Weitere Stimmen:

  • „Blogger? Irrelevantes Geplapper“
  • „Zwischen Befindlichkeit und Quote“

Jan Metzger (ZDF) nennt Blogs
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7 Kommentare

  1. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich solche Veranstaltungen verfolge oder davon lese. Ich glaube die Herren Gatekeeper haben es einfach noch nicht mitbekommen, was sich „dort draußen“ im Web so tut.
    Den Long-Tail Ansatz von Chris Anderson haben Sie wahrscheinlich auch nicht gelesen, sonst würden sie feststellen, dass immer weniger große Marken die Mehrheiten organisieren.
    Ob sie allerdings wirkich noch einen langen Weg vor sich haben, bezweifele ich, ich vermute das wird viel, viel schneler kommen als zumindest die sich träumen lassen.

  2. Mir – notabene seit 1982 Medienschaffender – tut es immer wieder weh, wenn ich mir solche Diskussionsbeiträge anhören muss. Es kann doch für einen Redaktionsleiter des ZDF nicht so schwierig sein, sich über ein neues Medium zu informieren ?!?

  3. Pingback: Gemeinschaftsraum von bblogs.de » Blog Archive » Qualitätsjournalismus?

  4. wenn ich mir manche Blogs und deren Qualität ansehen, auch solche, die einen guten Namen und viele Leser haben, dann bin ich fast geneigt, die kritischen Töne für nicht völlig falsch zu halten.
    Sorry, aber nicht wenige Blogger überschätzen sich und ihre Wirkung.

  5. Pingback: Jan Metzger bald neuer Intendant bei Radio Bremen? - Von Karl-Heinz Wenzlaff

  6. Immerhin ein nicht Irgendwer der Anstalt der Zwangsgebühren beschäftigt sich vielleicht zu viel mit NACH – RICHTEN anstatt mit Zukunftstrends. Wenn dem so ist, sollte er auf solchen Diskussionen nicht auftreten. Lassen wir doch den US-amerikanischen Zukunftsforscher John Naisbitt zu Wort kommen: „Die neue Quelle der Macht ist nicht mehr Geld in der Hand von wenigen, sondern Informationen in der Hand von vielen.“ Oder ist gerade das nicht gewünscht?

  7. Heute, am 1. Juli 2009, sollte – angesichts des internationalen BOB-Award für kreative Blogger der Deutschen Welle – die Feststellung „Blogs sind irrelevantes Geplapper“ des zukünftigen RADIO-BREMEN-Intendanten Jan Metzger überdacht und so geändert werden dürfen: „Blogs sind nicht immer irrelevantes Geplapper !“ – Auch sollte – angesichts der abwertenden Kritik Wortgewandter – die Möglichkeit hoch geschätzt werden, auch in unserem „Land der Ideen“, dank des Internets Ideen, die „nicht der Rede wert“ sein sollen, mit einfachen Worten darzustellen und weltweit nachzulesen, z.B. die „Bremer Idee“ ( s. Google ).
    Erich K.H. Kalkus, Lehrer i.R.