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Blog-Landkarten

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Stefan Graf kam auf die Idee, seine persönlichen Lieblingsblogs aus seinem Feedreader vorzustellen und hat damit eine kleine Welle in der Blogosphäre ausgelöst.

Er möchte eine Landkarte der Blogosphäre zeichnen, was nicht einfach ist. Auch setzt er sich natürlich schnell dem Vorwurf aus, einfach nur viele Links sammeln zu wollen, so wie das zum Beispiel Alexander Trust und seiner Weblogzählung vorgeworfen wurde.

Leider ist mit der Schließung von Blogscout für die deutsche Blogosphäre eine Möglichkeit genommen worden, mit einer umfassenden Datenmenge Vernetzungen zu zählen. Dass die deutsche Blogosphäre vernetzt ist, scheint keine Frage zu sein, aber wie die deutsche Blogosphäre vernetzt ist, ist noch vollkommen ungeklärt.

Gibt es wenige Leuchttürme und der Rest verliert sich im Longtail-Nirvana der unbekannten Blogs? Gibt es zahlreiche Subnetzwerke, die sich untereinander stark verlinken, aber einander nicht kennen?

Yochai Benkler hat in seinem bekannten Werk “The Wealth of Networks” mehrere Studien der amerikanischen Blogosphäre zitiert, die darauf schließen lassen, dass die Blogosphäre kaskadenartig organisiert ist: oben in der Pyramide gibt es wenige Top-Blogger mit sehr hoher Reichweite, darunter in Abstufungen mittlere Blogs mit größerer Reichweite und darunter Blogs mit thematischen Schwerpunkten mit kleiner Reichweite in die gesamte Blogosphäre, aber wiederum großer Reichweite in ihre eigenen Themengebiete.

Hier lauert auch die Chance für gut gemachte Business-Blogs, denn diese werden es sehr schwer haben, auf die oberste Stufe der Top-Blogs zu kommen, aber sie können in ihrem Thema sehr einflußreich werden, wenn sich Authentizität mit Kreativität paart.

Die Links und damit den Pagerank bei Google erhalten diese Thema-Top-Blogs durch die zahlreichen kleineren Blogs, die sich zwischen den Stufen der Blogosphäre befinden. Zwar ist der Äther der Blogosphäre auch mit Blogs gefüllt, die größtenteils selbstreferentiell sind, aber die meisten dieser sehr kleinen Blogs mit minmaler Reichweite linken dennoch immer wieder zu interessanten Seiten und verknüpfen so die unterschiedliche Ebenen.

Von den Thema-Top-Blogs gelangen bestimmte Themen wie Wellen zu den Blogs der mittleren und der höchsten Stufe. Die unterschiedlichen Blogs haben dabei sehr unterschiedliche Aufgaben und die Kaskadierung soll nicht andeuten, dass bestimmte Blogs weniger wichtig wären für eine lebendige Blogosphäre. Die Blogosphäre ist also keine Landkarte, die man vermessen oder zählen kann, sondern sie ist ein relativ komplexes virtuelles Lebenssystem, in dem Inhalte ständig produziert, reproduziert und vernichtet, also vergessen werden.

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3 Kommentare

  1. Bisher hat noch niemand diesen Vorwurf geäußert. Aber du greifst ein paar interessante Aspekte auf.

    Es wäre irgendwie schwer die ganze Aktion ohne Trackbacks durchzuführen!
    Und eine Parade wäre es dann auch nicht mehr!
    Manchmal muss man mit der Zeit gehen! ;)

  2. Ich wohne in Frankreich und habe als einer der ersten AutoRoll, einer automatischen Blogrolle einer französischen Firma installiert. Inzwischen scheint sich auch in Deutschland eine Gemeinde zu Formen, die damit im Longtail-Nirvana auf sich aufmerksam machen möchte. Ich bin mal gespannt, ob und wie das Widget zu einer Vernetzung beiträgt.

  3. Danke für’s Verlinken. Ich war übrigens in Urlaub, weswegen es eine Weile gebraucht hat, zu antworten. Es ist schade, dass Aktionismus immer gleich negativ besetzt wird. Natürlich gibt es schwarze Schafe und SEO-Deichsler, aber ehe nicht jemand sich selbst ans Messer liefert, muss man nicht böswillige Unterstellungen treffen, und so tun, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefuttert. Ich persönlich war damals in einer fixen Idee nur daran interessiert, die Vernetzung zu durchleuchten. Mir ging es darum, den Erfolg der Aktion zu beobachten, um so festzustellen, bis wohin mein Blog reicht. Es ist wohl so, wie in der Gesellschaft, dass der soziale Aufstieg sehr schwer ist, der Abstieg hingegen relativ schnell vollzogen werden kann.

    Grüße.